„Jeder Mensch ist ein Migrant“

LAUDA. Um das gegenseitige Kennenlernen und bessere Verstehen ging es gestern nicht nur beim Multi-Kulti-Fest, sondern auch beim Tag der offenen Moschee in Lauda. Die Türkisch-Islamische Gemeinde Lauda und Umgebung freute sich erneut über eine große Resonanz: Rund 200 Gäste kamen, um sich die Moschee bei Führungen anzuschauen und mit den Mitgliedern der Gemeinde ins Gespräch zu kommen.

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Den “TOM”, den Tag der offenen Moschee, versteht die Gemeinschaft als eine “Plattform zur Überwindung von Vorurteilen und Missverständnissen”. Er soll Brücken zwischen Menschen unterschiedlicher Religionen und Kulturen bauen. Seit dem 3. Oktober 1997 organisieren die muslimischen Religionsgemeinschaften in Deutschland jedes Jahr diesen bundesweiten Tag der offenen Moschee. Jährlich nehmen etwa 1000 Moscheen daran teil.

“Hidschra – Migration als Herausforderung und Chance” lautete diesmal das Motto. Die Hidschra im Jahre 622 stellt einen Wendepunkt in der Geschichte des Islams dar. Sie bezeichnet die Auswanderung des Propheten Mohammed und seiner Gefährten von Mekka nach Medina. In der islamischen Geschichte bedeutet die Hidschra der Beginn einer neuen Zeitrechnung, die eine Vielzahl von Herausforderungen und Chancen mit sich brachte. Eine dieser Herausforderungen betraf das Zusammenleben der Menschen in der neu gegründeten Gemeinschaft.

Wie damals verlassen auch heute Menschen weltweit aufgrund von Krieg und Verfolgung ihre Heimat. “Die Hidschra”, sagt Murat Yildirim, Vorsitzender des Vereins Türkisch-Islamische Gemeinde Lauda und Umgebung, “ist aktueller denn je. Migrationsbewegungen gibt es, seit es Menschen gibt. In diesem Sinne ist jeder Mensch ein Migrant.” Moscheegemeinden wie die in Lauda seien für den Dialog, die Integration und das gegenseitige Verständnis besonders gut geeignet, denn aus ihrer historischen Entwicklung heraus hätten sie Erfahrung mit der Integration.

Eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema Integration sei von großer Bedeutung, um nicht der “populistischen Stimmungsmache einiger Weniger” zu verfallen. “Flüchtlinge”, heißt es im Begleitheft des Koordinationsrates der Muslime zum Tag der offenen Moschee, “sollten trotz der großen Herausforderungen als Chance für die Gesellschaft wahrgenommen werden”. sk

© Fränkische Nachrichten, Dienstag, 04.10.2016

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